Partnerschaft zwischen einer Klasse der Förderschule "Am Sonnenhang“ in Netphen-Deuz und unserem Gymnasium

Bericht der Schüler/innen

Im vergangenen Schuljahr haben wir im katholischen Religionsunterricht über das Thema Inklusion gesprochen und überlegt, wie eine inklusive Schule aussehen sollte.

Inklusion heißt ja wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, ist also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, dann ist das gelungene Inklusion.

Aber heißt das z.B. auch, dass alle Schüler/innen unter den gleichen Bedingungen leben und lernen sollen oder muss die Schule nicht auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen eingehen? Und welche Bedürfnisse haben behinderte Kinder?

 

Da die meisten von uns keine persönlichen Erfahrungen und Kontakte zu Schülern mit Behinderungen hatten, besuchten wir im Sommer in Netphen-Deuz die Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung „Am Sonnenhang“. Im Anschluss entschieden wir uns eine Partnerschaft mit dieser Schule einzugehen.

In diesem Schuljahr haben wir uns zweimal hier in Stift Keppel und zweimal in Deuz getroffen.

  

 

 

 

 

 

 

   

 

 

In Keppel haben wir Fußball und Basketball gespielt, in der „Käseglocke“ zu Mittag gegessen und danach zusammen Tonskulpturen geformt und diese bei unserem zweiten Treffen farblich gestaltet.

In Deuz hatten wir eine gemeinsame Sportstunde und haben viele lustige und „bewegliche“ Aktivitäten kennengelernt.

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch das gemeinsame Kochen in der Schulküche hat allen viel Spaß gemacht. Wir waren wieder einmal überwältigt davon, wie viel wir miteinander unternehmen können und wie viel Freude wir alle daran haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jedes Mal hatten die Schüler/innen zusammen mit ihren Lehrerinnen und den anderen Mitgliedern des Klassenteams alles sorgfältig vorbereitet und ihren Klassenraum für unsere abschließende „Teezeit“ schön geschmückt.

Diese gemeinsamen Erfahrungen waren für uns sehr eindrucksvoll und auch sehr wichtig. Wir möchten dieses Projekt gerne fortführen, auch wenn wir im kommenden Schuljahr in der Oberstufe sein werden, was die Organisation unserer Treffen vielleicht etwas erschweren wird.

Kath. RU-Schüler/innen Jgst. 9, Mai 2015

Hintergrundinformationen

„Durch Kooperation zur Teilhabe“

Förderschule und Gymnasium gemeinsam auf dem Weg

Auf den ersten Blick scheinen die Interessen von Schüler/innen an Förderschulen und die Interessen von Schüler/innen an Gymnasien – sowie die Aufgaben der jeweiligen Lehrkräfte – weit auseinander zu liegen. Gerade das ist das Interessante:

Inklusion konkretisiert sich im Miteinander und im Füreinander, hat damit für sich schon einen beträchtlichen Wert und dient auf beiden Seiten dem Ziel, ein höchstmögliches Maß an Aktivität und Teilhabe für den Einzelnen zu erreichen.

Der Gedanke des gemeinsamen Lernens begeisterte die Keppeler Schüler/innen, sie entwickelten Pläne für eine Umgestaltung unserer Schule, wie diese für alle Kinder zu einem Lern- und Lebensraum werden sollte. So kam es zum ersten Besuch in der Förderschule. Die Gymnasiasten waren sehr beeindruckt von den vielen Möglichkeiten, die die Förderschule den Kindern bietet, von der vielseitigen Ausstattung und dem großen Engagement der dort arbeitenden Lehrer/innen sowie des gesamten Klassenteams, von der Freude, mit der die Kinder aktiv dort waren.

Im Anschluss an diesen Besuch und einem intensiven Gespräch mit der verantwortlichen Lehrerin vom Sonnenhang, Frau Quinke, entschieden wir uns eine Partnerschaft zwischen unseren Schulen einzugehen. Wir wollten keine fürsorgende Patenschaft, sondern eine Begegnung auf Augenhöhe. Das Lernen an außerschulischen Lernorten stellt einen wichtigen Bestandteil der pädagogischen Arbeit an Förderschulen und auch am Gymnasium dar. Durch die Nutzung dieser außerschulischen Ressourcen können die Schülerinnen und Schüler der Förderschule dazu in die Lage versetzt werden, ihre individuellen Potentiale auszuschöpfen. Sie erfahren in diesen Begegnungen Erweiterung der Handlungs- und Kommunikationsmöglichkeiten, Steigerung des Selbstvertrauens, Kompetenzzuwachs im sozialen Miteinander, das Kennenlernen unterschiedlicher Lern- und Lebensbiographien (ohne diese zu bewerten), sowie das Reflektieren eigener Lernprozesse und ggf. die Neuorganisation von Lernprozessen; damit sind sie bestens für gesellschaftliche Herausforderungen gerüstet.

Für Schülerinnen und Schüler am Gymnasium ist die Beschäftigung mit ihren individuellen Lernprozessen und die Grundlegung selbstständigen Arbeitens ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Erlangung der Hochschulreife. Zudem geht es um die Übernahme der Verantwortung für die eigene Lernentwicklung und die Ausbildung der Verantwortung für die Lernentwicklung anderer. In dieser Form der Kooperation werden gegenseitige Vorurteile abgebaut und soziale Kompetenzen gefördert.

Die Begegnung der Schülerinnen und Schüler beider Schularten ist also dadurch gekennzeichnet, dass beide Seiten davon profitieren können und so eine idealtypische pädagogische win-win-Situation entsteht. Der Abstand in der Bildungshierarchie bewirkt, dass die Schülergruppen keine Konkurrenzsituation erleben, die häufig zu Abgrenzungstendenzen zwischen Schülerinnen und Schülern verschiedener Schularten führt. Des Weiteren ist ein Einstieg in eine solche Zusammenarbeit leicht durch einzelne überschaubare Projekte möglich.

„Die Jungen und Mädchen lernen, dass weder das Klischee des „dummen und faulen“ Förderschülers, noch das des „reichen und verwöhnten“ Gymnasiasten zutrifft.“

s. dazu auch: Papier der Landesverbandstagung LERNEN FÖRDERN, Verband Sonderpädagogik Baden-Württemberg, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg LERNEN FÖRDERN Landesverband Baden-Württemberg, 18. Juli 2009

Claudia Quinke, Helene Schlüter

Mai 2015

 

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