Mit Delfinen auf Swinger-Tour

Sonntag, 20:30 Uhr. Eine eigentlich sehr unübliche Uhrzeit für Jugendliche aus der Q2, sich an der Schule zu treffen, denn es ist ja nicht so, als ob die Oberstufen unter der Woche nicht schon lang genug in der Schule hocken… Warum also am Wochenende nochmal kommen, und dann noch zu dieser Uhrzeit? 

Nun ja, es steht eine Schulveranstaltung an, auf die sich die Oberstufenschüler mal freuen: Die Abschlussfahrt der Q2, gerne auch Studien- oder Stufenfahrt genannt, steht an, und zwar mit einem besonders schönem Reiseziel: Die Adriaküste Kroatiens. 

Nachdem wir uns also alle beim Stift getroffen haben, von Frau Laubenbacher (Deutsch LK) und Herrn Lösch (Musik GK) freundlichst und motiviert empfangen wurden und dem Busfahrer unsere Koffer zum Einräumen übergeben haben, hat der Kampf um die heißbegehrten Sitzplätze begonnen. Wer vorne sitzt, wer die letzte Reihe belegen darf, hat sich schnell herauskristallisiert. Da unser Ziel ein Campingplatz war und vor Ort Selbstversorgung angesagt war, hat jeder von uns zu Beginn der Fahrt direkt einen Teil der Reisekosten erstattet bekommen, um sich vor Ort zu versorgen. Dann stand die Fahrt bevor, die geplante 15 Stunden dauern sollte. Die ersten Stunden haben wir mit Plaudern, lautem Musikhören oder mit dem Wunsch gefüllt, bald endlich anzukommen. Als die meisten Augen gegen Mitternacht zugefallen sind und wir in Ulm an einem Rastplatz gehalten haben, gab es einen Fahrerwechsel zu einem Busfahrer, der uns von Ulm nach Rabac - unserem Reiseziel - und auch vor Ort zu unseren Aktivitäten bringen sollte. Dieter hat auch seinen Sohn Peter mitgebracht, sodass die beiden einen schönen Vater-Sohn-Urlaub an der istrische Küste verbringen konnten. Am Montagmittag sind wir nach der geplanten Fahrtzeit von 15 Stunden bei „Camping Oliva“ angekommen und wurden von Sonnenschein und frischem Wind begrüßt. Übernachtet und gewohnt haben wir in sogenannten Mobile-Homes, also kleinen Hütten mit Küche, Bad und Schlafzimmern, die wir nach der Ankunft sofort beziehen und einrichten konnten. Da wir Selbstversorger waren, hat uns eine erneute Busfahrt in den Nachbarort Labin gebracht, in dem wir einkaufen und uns mit Essen und Getränken versorgen konnten. Den Abend hat jedes Zimmer oder jede Gruppe auf ihre eigene und kreative Art gestaltet, ein gemeinsames Beisammensitzen auf und vor der Luxusveranda von Frau Laubenbacher konnten wir trotzdem zum Einstimmen auf die Stufenfahrt veranstalten. Kleine Laufrunden um den Platz, ein kurzer Spaziergang zum Strand oder gemeinsames Kochen haben den ersten Tag schön abgerundet.

Am Dienstag stand der erste richtige Tag mit Programm an. Nachdem jede Wohngemeinschaft gefrühstückt hatte, ging es mit dem Reisebus gemeinsam in die nächst größere Stadt Pula. Dort erwartete uns zunächst eine Stadtführung vom Amphitheater über den Augustus-Tempel bis hin zu den besten Essen-Tipps: Denn wie wir erfahren haben, sind die Kroaten sehr davon überzeugt, bessere Pizzen zu machen als die Italiener. Diesem mussten wir anschließend natürlich auf den Grund gehen und fanden uns so schließlich alle zufällig in derselben Pizzeria wieder. Satt und zufrieden waren danach definitiv alle, ob die Pizza nun wirklich besser war, wird noch heute diskutiert ;) Danach stand uns erstmal einiges an Freizeit zur Verfügung, die mit noch mehr Sightseeing, Eis essen oder Shoppen gefüllt wurde. Auch an den zuhause gebliebenen Herrn Zeigan wurde gedacht, sodass der Bio-LK wenigstens imaginär mit einem Augustus-Bier am Augustus-Tempel anstoßen konnte. Nach einem langen Tag ging es dann schließlich wieder zurück zum Campingplatz, wo wir den Abend noch mit geselligem Spielen ausklingen lassen haben. Ein besonderes Highlight des Abends war jedoch noch das professionelle Strähnchenblondieren mit einer Mülltüte und Gabel, wobei sich das Ergebnis am Ende doch sehen lassen konnte.

Der Mittwoch hat damit begonnen, dass wir mit dem Bus gemeinsam nach Premantura, dem südlichsten Punkt von Istrien, gefahren sind, wo wir uns allesamt auf Mountainbikes schwingen und zum sogenannten „Kap Kamenjak“ fahren durften. Die Fahrradtour dauerte circa 20 Minuten und hat uns wortwörtlich über Stock und Stein geführt, am Ende sind dann aber doch alle heile angekommen. Nachdem wir den Punkt erreicht haben, wurde es dann doch nochmal etwas schulisch, mathematisch und biologisch zugleich - irgendwie logisch, wenn man einen Mathelehrer und eine Biolehrerin an Board hat. An der Küste wurde uns von einer Ökologin ein Vortrag zum Thema „Lotka-Volterra“ gehalten, der spielerisch und aktiv gestaltet war. Das Lotka-Volterra-Modell beschreibt die periodischen und voneinander abhängigen Populationsschwankungen zwischen Raubtier und Beute (englisch: predator und prey) im Ökosystem Meer und ermöglicht deshalb Ableitungen auf die Wechselwirkungen verschiedener Arten. Dazu hatten wir vorher die Aufgabe, kleine Lebewesen oder Funde rund um die Bucht und dann in einem Gefäß zu sammeln, zu denen uns die Ökologin noch einige Dinge erklärt hat. Mit viel Motivation mussten wir anschließend den Weg mit den Fahrrädern wieder zurück in Angriff nehmen, woraufhin die Rückreise nach Rabac anstand. Den Nachmittag haben alle wieder ganz individuell gestaltet, abends wurde jedoch ein legendäres Schocken-Turnier veranstaltet, bei dem es natürlich auch um etwas ging - schließlich ist die Rückfahrt in die Heimat nach Hilchenbach auch entsprechend lang und verlangt nach viel Entertainment, es soll sich niemand langweilen. Und deshalb war klar: Wer verliert, singt, trägt ein Gedicht vor und hält eine spontane Präsentation über einen Ort, in dem wir auf der Rückfahrt durchfahren sollten. Blöd nur, dass es genau eine Person getroffen hat, die alle drei Runden Schocken verloren hat: Nils. Nils war eher weniger begeistert, stellt sich allerdings seinen Verantwortungen und seinen Wettschulden, indem er sich intensiv darauf vorbereitet hat.

Am nächsten Tag ging es morgens direkt weiter ins Landesinnere zur Tropfsteinhöhle Baredine, bei der wir in zwei Kleingruppen eine geführte Tour bekommen haben. Auch tierisch gab es dort einiges zu sehen: vom Grottenolm in der Höhle bis zu den außen stehenden Eseln, Ziegen und Gänsen war alles dabei und manch einer versuchte ein neues Haustier oder Stufenmaskottchen zu ergattern. Nachdem wir unzählige Stufen hoch und runter in der Grotte erklommen haben, hatten wir uns erstmal eine Pause im Restaurant verdient. Später ging es dann weiter in die Stadt Poreč, in der wir zunächst auch einiges an Freizeit hatten, bevor das Highlight - die Bootstour bei Sonnenuntergang und Delfinen -  losging. Voller Freude auf einen schönen Abend haben wir das Deck des Schiffes eingenommen und uns über den Saft und Traubensaft (Wein, wie wir es lieber genannt haben) hergemacht. Lange ließen auch die tierischen Freunde nicht auf sich warten und zeigten sich uns mit einem Baby-Delfin, was mit vielen „Awwws“ belohnt wurde. Da das Schiff auch schon andere Fahrten wie Geburtstag- oder Swingertouren macht, kamen wir (oder besser gesagt Herr Lösch) schnell zu dem Entschluss „mit Delfinen auf Swinger-Tour zu sein“. Nach einem schönen und erlebnisreichen Tag ging es schließlich wieder zurück, wo der letzte Abend nochmal in der Gemeinschaft genutzt wurde. 

Mit Freitag war jedoch auch schon unser letzter Tag gekommen. So haben wir morgens nochmal alle zusammen an einer langen Tafel gefrühstückt und alles zusammengeschmissen, aka die Reste verwertet, bevor es ans finale Packen, Aufräumen und Putzen ging. Nachdem ein letztes Mal alles abgespült war, mussten wir gegen 10 Uhr unsere Mobile-Homes verlassen und unser Gepäck schon einmal in den Bus bringen. Danach stand uns jedoch noch der halbe Tag bis 15 Uhr zur Verfügung, der irgendwie rumbekommen werden musste. Deswegen ging es zu Fuß im Schlapper-Bus Fahr-Look nochmal nach Rabac, wo nochmal ordentlich Mittag gegessen und die letzten Sonnenstrahlen am Meer mitgenommen wurden. Bevor es dann um 15 Uhr aber richtig nach Hause los gehen konnte, gab es noch einen Zwischenstopp am Lidl, wo nicht kleine Mengen Pfand noch abgegeben werden mussten. Die Busfahrt war trotzdem von guter Laune, Musik und Spaß geprägt, verstärkt durch den zweistöckigen Hightech-McDonalds in Österreich und natürlich Nils‘ Showeinlage. Denn Wettschulden sind natürlich Ehrenschulden. So konnten wir noch einem schönen Gedicht sowie Gesang lauschen und mit viel Lachen die Stufenfahrt abschließen!

Das waren also die fünf Tage, die wir mit dem Bio- und dem Deutsch-Leistungskurs, einem Teil des Matheleistungskurses und zwei Englisch-LKlern zusammen an der istrischen Küste verbracht haben. Es konnten viele Erinnerungen entstehen, wir haben andere Menschen auf eine andere Art kennengelernt und konnten viel über uns gegenseitig erfahren. Es ist mal schön, aus dem Schulalltag herauszukommen und die Stufengemeinschaft auf eine ganz andere Weise zu erleben. Wir danken allen, die dabei waren und einen wichtigen Teil zur Durchführung dieser lange in Erinnerung bleibenden Stufenfahrt beigetragen haben.

Ronja Irle und Theo Schmidt