„Entsteht in Schulen Kunst? Wenn Kunst ist, was Künstler machen, was machen dann Schüler? Und: sind diese Fragen überhaupt sinnvoll?“ So beginnt, durchaus provokant, der kurze Text auf der Einladung zur Ausstellung von Schülerarbeiten aus dem Unterricht am Gymnasium Stift Keppel, die in den Räumen der Hees Bürowelt in Siegen seit dem 23. November zu sehen sind. Die Firma Hees, mit der unsere Schule unter anderem im Bereich Berufsorientierung zusammenarbeitet, lädt seit vielen Jahren bildende Künstler in ihre Räume ein, um dort ihre Arbeiten auszustellen. Erstmals ging diese Einladung 2019 auch an eine Schule, verbunden mit der Idee bzw. der Neugier, einmal zu sehen, wie künstlerisches Denken und Gestalten eigentlich dort aussieht.
Wenn aus der Kunst ein Schulfach wird, stellen sich in der Tat viele Fragen. Geht es um ansehnliche Ergebnisse – und damit um enge Führung durch Aufgaben und Unterstützung? Oder stehen offene Prozesse und Erfahrungen im Mittelpunkt, gerne auch um den Preis, dass das, was dabei entsteht, nicht immer den Ansprüchen an Wandschmuck entspricht? Wie wissenschaftlich muss es zugehen, wenn aus Kunst ein Fach im Zentralabitur wird? Und wie „gerecht“, angesichts welcher Kriterien? Und was bleibt vom potentiellen Reichtum farbiger, plastischer, grafischer, fotografischer, filmischer Gestaltung, wenn der Schuletat klamm ist und Improvisation eine Kardinaltugend der Lehrenden?
Die Macher von Kunst im Rampenlicht - der Kunstverein Siegen und die Firma Hees Bürowelt - wollen in der aktuellen Ausstellung einen Blick in dieses besondere Feld künstlerischer oder kunstnaher Produktion werfen. Im Ergebnis ist dabei eine Ausstellung zusammengekommen, die nicht den Anspruch erhebt, bündige Antworten zu geben. Eher sind es Blitzlichter, Eindrücke. Die Kooperation mit Hees hat dabei zu dem durchaus metaphorisch aufzufassenden Ausstellungstitel Schul. Bedarf. geführt, und die Überlassung eines Farbkopierers, eines Handscanners und praktisch unbegrenzter Mengen an Toner und Papier im Vorfeld der Ausstellung haben Bildanlässe geliefert, die von Schülerinnen und Schülern von Klasse fünf bis Klasse zwölf aufgegriffen und völlig unterschiedlich ausgedeutet wurden.
Die Eröffnung am Abend des 23. November war sehr gut besucht. Jede Menge Schülerinnen und Schüler - d.h. Bildautorinnen und Autoren - dazu Eltern und Freunde, aber auch viele Mitglieder des Siegener Kunstvereins und interessiertes Siegener Publikum kamen. Üppige und leckere Bewirtung der Gäste hat bei solchen Anlässen im Hause Hees Tradition. Und gut eingeführt ist ebenfalls das Ritual, dass auf der Mitte der Rampe, sozusagen im Rampenlicht, der Geschäftsführer des Kunstvereins, Franz-Josef Weber, mit den Ausstellenden öffentlich plaudert - das kommt nämlich weniger steif daher als so manche Eröffnungsrede. Im Gespräch mit Kirsten Schwarz und Jochen Dietrich konnte er so den Gästen einige anregende Fragen und Fingerzeige mitgeben. Die Ausstellung ist zu den üblichen Geschäftszeiten noch bis 1.3.2019 kostenlos und unangemeldet zu sehen in Siegen in der Leimbachstraße 266.

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