Wer mit offenen Augen durch den hiesigen Herbstwald spaziert, bemerkt es sofort: Ob auf Blättern, Baumstümpfen oder im Boden – überall wachsen Pilze.

Als Symbiosepartner von Pflanzen sowie als Streu- und Holzzersetzer sind sie zentrale Akteure im Ökosystem Wald und aus diesem nicht wegzudenken. Und nicht nur das: In ihrer Artenvielfalt übertreffen sie Pflanzen sogar um ein Vielfaches. Trotz dieser Umstände spielt die Mykologie – die Wissenschaft der Pilze – aber oft nur eine untergeordnete Rolle.
Doch das sollte sich ändern: Um diesen faszinierenden Organismen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, begleitete die von der DGfM zertifizierte PilzCoachin Dana Brüggenkamp, die derzeit ihr Praxissemester an unserem Gymnasium absolviert, insgesamt vier Lerngruppen auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Pilze: die Klasse 7a im Biologieunterricht von Herrn Kosak, die Klassen 7b und 7m bei Frau Laubenbacher und das Kreativprojekt Nature Kids der Fünftklässler mit Frau Kraus de Franco.
Aus ihren jeweiligen Klassen gingen die Lerngruppen direkt in den Stiftswald – einen bodensauren Laubwald, der von Buchen und Totholz geprägt ist. Dort erzählen die Kinder zunächst, was sie bereits über Pilze wissen, um anschließend von Dana Brüggenkamp zu erfahren, was ein Pilz überhaupt ist: Anhand eines Agar-Nährbodens, auf dem sich eine weiße Schicht befindet, zeigt die angehende Lehrerin den Schülerinnen und Schülern, dass das Wort „Pilz“ ein Teekesselchen ist:

Wenn wir im Alltag über Pilze reden, so reden wir über Fruchtkörper – die Fortpflanzungsorgane von Pilzorganismen, die wir auch in der Küche verwenden. Das Wort „Pilz“ kann aber noch etwas Zweites bezeichnen, nämlich den gesamten Pilzorganismus, das Myzel. Dieses Myzel, das man auf dem Agar-Nährboden erkennt, ist eine Ansammlung unzähliger mikroskopisch kleiner, schlauchartiger Gebilde – den Hyphen. Da Myzel sich im Boden oder Holz befindet, bleibt es uns aber meist verborgen.
In diesem Zusammenhang erkennen die Schülerinnen und Schüler schnell, dass Pilze sich grundlegend von Pflanzen unterscheiden. Gemeinsam erarbeiten sie, dass Pflanzen im Gegensatz zu Pilzen Fotosynthese betreiben. Zudem lernen sie, dass die Zellwände von Pflanzen aus dem Ballaststoff Zellulose bestehen, während Pilze ihre Zellwände aus Chitin – dem Stoff, aus dem auch Insektenpanzer gebaut sind – ausbilden. So wird ihnen verständlich, warum Pilze seit dem Jahr 1969 neben den Pflanzen und Tieren ihr eigenes Reich bilden. Anschließend erklärt Dana Brüggenkamp, dass Pilze auf drei Weisen leben können: als Zersetzer von toter Materie, als Parasiten auf oder in lebenden Organismen sowie als Symbiosepartner von Pflanzen.
Zudem zeigt Frau Brüggenkamp, dass sich manche Pilze auch dann bestimmen lassen, wenn ihre Fruchtkörper gar nicht sichtbar sind. Sie hebt einen Ahornstock hoch, dessen Oberfläche von einem auffälligen schwarzen Muster überzogen ist. Dieses charakteristische Zeichnungsmuster stammt von der langstieligen Ahorn-Holzkeule (Xylaria longipes). Aufgrund dieser markanten Linien wird das Holz auch „Giraffenholz“ genannt.

Nachdem die Schülerinnen und Schüler verstanden haben, was Pilze sind und auf welche Weisen sie leben, beginnt der praktische Teil. Die Kinder werden in Gruppen eingeteilt und erhalten jeweils ein Körbchen, eine Einschlaglupe und ein Arbeitsblatt. Nach zuvor gemeinsam aufgestellten Regeln sollen sie vier Pilze entnehmen und untersuchen, wobei sie einen Pilz besonders genau beschrieben. Außerdem erklärt Dana Brüggenkamp, dass es in Deutschland keine kontaktgiftigen Pilze gibt – man kann also auch unbekannte Fruchtkörper problemlos anfassen, solange sie nicht in den Körper gelangen.

Bei ihrer Suche stoßen die Schülerinnen und Schüler auf einen Pilz mit weißen Lamellen, biegsamem Stiel und fettig wirkender Hutoberseite, so als hätte man Butter darauf gestrichen. Diese Eigenschaft spiegelt sich auch in seinem Namen wider: Es handelt sich um den Butterrübling (Rhodocollybia butyracea).

Auch entdecken die Kinder einen Pilz mit wildlederfarbener Hutoberseite, gelben Röhren und einem leuchtend roten Stiel. Sie erfahren, dass es sich um den essbaren Herbstrotfußröhrling (Xerocomus pruinatus) handelt.

So interessant die Speisepilze für die Kinder auch sind – das Highlight der Exkursion ist ein Baumpilz, den sie auf einem toten Buchenstamm finden. Sie bemerken, dass er sehr hart ist und eine braune, unregelmäßige Hutoberseite hat. Frau Brüggenkamp erklärt, dass es sich um den wulstigen Lackporling (Ganoderma adspersum) handelt und dass man darauf Bilder malen kann. Sofort greifen die Kinder zu kleinen Stöcken und verewigen sich in dem Pilz:

Nachdem die Kinder ihren Arbeitsauftrag abgeschlossen haben, kommen sie im Plenum zusammen und vergleichen ihre Funde. Schnell wird deutlich, wie unterschiedlich Pilzfruchtkörper aufgebaut sein können: Viele sind weich und besitzen Hut und Stiel, andere hingegen sind hart wie Holz und ganz ohne Stiel. Besonders spannend finden die Schülerinnen und Schüler die Erkenntnis, dass nicht die Hutoberseite, sondern die Hutunterseite das wichtigste Bestimmungsmerkmal liefert.
Nachdem die ausgebildete PilzCoachin die letzten Fragen beantwortet hat, machen sich die Gruppen wieder auf den Rückweg zur Schule. Unterwegs erzählen die Kinder begeistert von ihren Funden und den überraschenden Formen der Pilze, während die Lehrkräfte beeindruckt von der Artenvielfalt direkt vor dem eigenen Schultor sind. Für alle Beteiligten steht fest: Die Pilzexkursion war ein voller Erfolg!