„Es braucht einiges an Arbeit, bis du dir selbst glaubst, was du da machst!“
Mit einer eindrucksvollen Szene aus „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist begann die Einmannaufführung durch den Schauspieler Reimund Groß von der Literaturbrauerei aus Brandenburg an unserem Gymnasium. Dorfrichter Adam ist noch nicht richtig wach und wirkt sichtlich mitgenommen: Sein Kopf weist Verletzungen auf und auch seine Perücke ist unauffindbar. Offenbar hat sich in der Nacht zuvor ein merkwürdiger Vorfall ereignet. Um diesen Eindruck des verkaterten und angeschlagenen Richters Adam zu verdeutlichen, werden auch mal ein Klausurtisch und ein paar Stühle über die Aulabühne geworfen.
Am 23. Februar hatten die Schüler:innen der Jahrgangsstufe Q1 die Gelegenheit, den berühmten Lustspielklassiker in einer außergewöhnlichen Inszenierung in unserer Aula zu erleben. Reimund Groß übernahm dabei nicht nur die Rolle des Dorfrichters Adam, sondern verkörperte zugleich alle weiteren zentralen Figuren des Stücks. Mit großer Wandlungsfähigkeit, präziser Körpersprache und stimmlicher Nuancierung gelang es ihm, die einzelnen Charaktere klar voneinander abzugrenzen und dennoch in einem fließenden Spiel miteinander zu verbinden. Die vermeintlich unmögliche Aufgabe, so viele Figuren gleichzeitig auf der Bühne lebendig werden zu lassen, meisterte er auf beeindruckende Weise.
Wie bereits bei früheren Auftritten suchte der Schauspieler auch diesmal bewusst die Nähe zum Publikum. Immer wieder bewegte er sich durch die Reihen der Zuschauer:innen und bezog sie unmittelbar in das Geschehen ein. Diese besondere Form der Interaktion intensivierte die Wirkung der Inszenierung und sorgte für eine dichte, lebendige Atmosphäre, die die Schüler:innen sichtbar fesselte.
Im anschließenden Gespräch mit den Schüler:innen gewährte Reimund Groß spannende Einblicke in den Proben- und Entwicklungsprozess des Stücks. Dabei fiel der Satz: „Es braucht einiges an Arbeit, bis du dir selbst glaubst, was du da machst!“ Mit diesen Worten beschrieb er die intensive Auseinandersetzung mit Text, dessen Interpretation, Figuren und eigener Darstellung. Besonders die Herausforderung, in schneller Abfolge zwischen den unterschiedlichen Charakteren zu wechseln, verlange nicht nur technisches Können, sondern auch ein tiefes inneres Verständnis für jede einzelne Rolle. Die Diskussionsrunde bot den Schüler:innen die Möglichkeit, Fragen zur Inszenierung, zur Figureninterpretation und zur sprachlichen Gestaltung zu stellen, aber auch Kritik zu äußern. Manch einer hätte die Figuren genauso interpretiert, andere stellten sich die Figur der Marthe beispielsweise noch wütender vor.
Insgesamt hinterließ die Aufführung von „Der zerbrochene Krug“ einen nachhaltigen Eindruck. Die überzeugende Darstellung, die Nähe zum Publikum und die kreative Gestaltung machten den Theaterbesuch zu einem besonderen Erlebnis für alle Beteiligten. So konnte das im Unterricht behandelte Werk aus einer neuen Perspektive betrachtet und vertieft werden.
Ein herzlicher Dank gilt dem Förderverein, der durch seine finanzielle Unterstützung diese Aufführung ermöglicht hat. Wir freuen uns auf weitere Gastspiele von Reimund Groß und der Literaturbrauerei an unserer Schule.